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Unsere Stars, die niemals untergehen. Künstler im Exil:
Friedrich Hollaender
Friedrich Hollaender wurde am 18.10.1896 in London geboren. Um die Jahrhundertwende siedelte die Familie nach Berlin über. Nach dem Krieg traf Hollaender mit Gleichgesinnten wie Tucholsky, Klabund, Mehring, Spoliansky, Ringelnatz und der jungen Schauspielerin Blandine Ebinger zusammen, um ein Kabarett zu gründen. Es fand statt im „Schall und Rauch“ im Keller von Max Reinhardts Großem Schauspielhaus. Blandine Ebinger und Hollaender heirateten. In den 20er Jahren wurde Hollaender eine feste Größe in der Berliner Kulturszene. Er wirkte an verschiedenen Kabarett-Theatern (u.a. Trude Hesterbergs Wilde Bühne), komponierte und textete Lieder und begleitete Blandine und andere Zeitgenossen am Klavier. Später schrieb er Revuen, u.a. für Rudolf Nelson. In Charlottenburg eröffnete er seine eigene Bühne, das Tingel-Tangel-Theater. Außerdem vertonte er Filme. Ein Höhepunkt seines Schaffens war sicherlich der „Blaue Engel“, dessen Melodie „Von Kopf bis Fuß“ noch heute ein Begriff ist. 1933 mußte Holleaender wegen seiner jüdischen Abstammung und politischer Mißliebigkeit Deutschland verlassen. 1934 zog er nach Hollywood. Dort eröffnete er zunächst die amerikanische Ausgabe seines Tingel-Tangel-Theaters. Auch nach dem Krieg blieb Friedrich Hollaender noch bis 1955 in den USA. In München, wo er sich danach niederließ, begann er wieder mit dem Kabarett.
„Nun gehe ich allein durch eine große Stadt
und ich frag mich, ob sie mich lieb hat . . .“
„Ich weiß nicht zu wem ich gehöre
ich bin doch zu schade für eine allein..
wie kann so etwas Schönes nur einer
gefallen, die Sonne, die Sterne gehören
doch auch allen.“
„Want to buy some illusions?
Slightly used, second hand?
They were lovely illusions,
reaching high, built on sand.“
Marlene Dietrich
Marlene Dietrich ist sicherlich die bekannteste Interpretin von Hollaender-Liedern, obwohl die wenigsten wissen, wer ihren bekanntesten Song schrieb. Die Dietrich wurde berühmt mit dem „Blauen Engel“, die Verfilmung von Heinrich Manns „Professor Unrat“. Sie spielte die „fesche Lola“ an der Seite von Emil Jannings. Unmittelbar nach der Premiere ging sie nach Hollywood, wo sie erfolgreich in das Filmgeschäft einstieg. Während des Krieges betreute sie die amerikanischen Truppen, auch in Deutschland. Das wurde ihr von mancher Seite übelgenommen. In den 60er Jahren feierte sie auch in Deutschland ein großes Comeback als Chansonsängerin. 1992 starb Marlene in Paris, ihrer Wahlheimat, wo sie die letzten Jahre sehr zurückgezogen verbracht hatte. Bestattet wurde sie in Berlin.
„Am nächsten Morgen um zehn Uhr in Bremerhaven erwartete mich der Schnelldampfer „Bremen“, dessen imposanter Anblick mir eine schnelle und sichere Überfahrt versprach. Kurz darauf stand ich, mit einem großen roten, wehenden Tuch bewaffnet, auf dem Promenadendeck, um Abschied zu nehmnen von der deutschen Heimat... Meine lieben Freunde, die mich per Bahn von Berlin aus begleitet hatten, konnten - so hoffe ich - mein rotes Fähnlein sehen, das ich so lange schwenkte, bis mir der Arm müde heruntersank. „Auf Wiedersehen!“ - „Alles Gute!“ - „Auf baldiges Wiedersehen!“, und dann konnte ich nichts mehr hören....
Jetzt gab es keine Chefs, keine Autoren, keine Garderobieren! Nichts als Wasser und frische Salzluft, herrliche kleine Spaziergänge auf dem Deck der „Bremen“. Und niemand, niemand in weiter Sicht, der mir vorschreiben konnte, was ich zu tun hätte. Herrlich! Ein weiter Horizont von Himmel und Wasser. Oh, ihr Liebespaare der Welt, glaubt mir, es gibt nichts Wunderbareres für eure Flitterwochen als solch eine Ozeanreise!“
In ihren zurückgezogenen Jahren hatte Marlene Dietrich öfter Telefon-Kontakt mit Udo Lindenberg. Sie ermutigte ihn zu Projekten wie ATLANTIC AFFAIRS. Auf dem Lindenberg-Album "Hermine" findet sich 1987 Marlenes letzte Ton-Aufnahme.
Mischa Spoliansky
1898 in Bialystok, Polen geboren. Ausbildung als klassischer Musiker. Nach dem Krieg 1918 in Berlin, Studium am Konservatorium. Kontakt zu Max Reinhardts Kabarett „Schall und Rauch“. Dort vertonte er Texte von Walter Mehring, Kurt Tucholsky, Klabund und Joachim Ringelnatz. In Zusammenarbeit mit Marcellus Schiffer entstand die Musik zu zahlreichen Revuen „Es liegt in der Luft“, „Wie werd ich reich und glücklich“, „Alles Schwindel“. 1933 emigrierte er über Wien, Paris und London, wurde britischer Staatsbürger. Er komponierte 34 Filmmusiken, arbeitete für das BBC-Auslandsprogramm.1977 besuchte er Berlin zu einer Festveranstaltung. Er starb 1985 in London.
„Es liegt in der Luft
was Idiotisches“
Lotte Lenya
Lotte Lenya (eigentl. Karoline Charlotte Blamauer) Schauspielerin, Sängerin. Tanzausbildung in Zürich, Statistin und Choristin am dortigen Stadttheater; ab 1921 in Berlin, wo sie ihren späteren Ehemann Kurt Weill kennenlernte. 1928 erster großer Erfolg als Seeräuber-Jenny in Weills "Dreigroschenoper" nach dem Text von B. Brecht. 1933 emigrierte sie in die USA. Nach dem Tod Weills (1950) trat sie v. a. als Interpretin seiner Werke, aber auch als Schauspielerin (Brechts "Mutter Courage") auf; nach 1960 auch an dt. Bühnen.
"I don`t need to create a mood.
I don`t have to get into a trance to do what I do.
I`m like a ditch digger, digging the ditch."
Kurt Weill
Kurt Weill wurde in Dessau als Sohn eines jüdischen Kantors geboren. Klassische Musikausbildung. 1921 komponierte er seine erste Symphonie und wurde Mitglied der politisch radikalen Novembergruppe. 1926 heiratete er Lotte Lenya, 1927 begann die Zusammenarbeit mit Bertold Brecht, 1928 wurde die Dreigroschenoper mit großem Erfolg uraufgeführt. 1930 Uraufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, Text: Bertold Brecht. 1933 gingen auch Noten von Weill bei der Bücherverbrennung der Nazis in Flammen auf. Die Dreigroschenoper wurde verboten. Weill emigrierte nach Paris. Uraufführung des Balletts „Die sieben Todsünden“, wieder eine Gemeinschaftsarbeit mit Brecht. Scheidung von Lotte Lenya. Emigration über London in die USA. Schneller Erfolg mit der Musik zum Bühnenstück „Knickerbocker Holiday“ (1938) und dem Musical „Lady in the dark“. 1943 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Er starb 1950 in New York.
„But its a long long while from May to December
And the days grow short when you reach September
And the autumn weather turns the leaves to fla me
And I haven´t got time for the waiting game“